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Gesundheits-App ist nicht gleich Gesundheits-App

Wer den App-Store seines Smartphones öffnet, hat die Qual der Wahl – auch im Bereich Gesundheit. Denn der Markt für digitale Gesundheitsanwendungen wächst stetig. Mittlerweile stehen unzählige Applikationen zum Download zur Verfügung, die vorrangig folgende Funktionen bereitstellen:

  • Informationen bereitstellen
  • Präventionsmaßnahmen bieten
  • Werte messen, speichern und auswerten

Im Bereich Gesundheit sind vor allem solche Apps gefragt, die sich unter dem Begriff „Lifestyle“ zusammenfassen lassen und die eigene Fitness sowie Ernährung unterstützen. Aber auch Anwendungen, die das Leben von Patienten erleichtern sollen, drängen immer mehr auf den Markt. Zu unterscheiden ist hier zwischen serviceorientierten und medizinischen Apps:

Gesundheits-Apps mit Service-Charakter erinnern Nutzer beispielsweise an die Medikamenteneinnahme oder stellen dem Anwender ein Symptomtagebuch zur Verfügung. Diese Apps werden häufig von Krankenkassen bereitgestellt, um den Mitgliedern mitunter die Verwaltung ihrer Gesundheitsdaten zu erleichtern.

Einen Schritt weiter gehen medizinische Apps. Ihr vorrangiges Ziel ist es, bei der Diagnose und/oder Behandlung einer Krankheit zu unterstützen. Vor allem im Bereich der chronischen Erkrankungen (beispielsweise können sie im Fall von Diabetes Blutzuckerwerte auslesen) sind solche Anwendung in größerer Zahl anzutreffen. Meist stellen sie eine Kombination aus Patiententagebuch, Messsystem und Informationsbereitstellung über die Krankheit dar.


7 interessante Gesundheits-Apps – ein Überblick

Von der psychologischen Betreuung bis zur Risikobewertung des Herzens – auf dem Gesundheitsmarkt tummelt sich eine Vielzahl an Apps. Kein Wunder, wenn Patienten hier den Überblick verlieren. Wir haben daher 7 digitale Anwendungen aus dem App-Dschungel herausgepickt und näher betrachtet.

(Diese Liste stellt keine Empfehlung dar.)


Die Erste-Hilfe-App des Deutschen Roten Kreuzes

Ob vorbeugend zum Üben oder in einer Notsituation – mit der Erste-Hilfe-App des DRK sollen Anwender für den Ernstfall bestens gewappnet sein. Wer sich die Gesundheits-App herunterlädt, dem stehen vier verschiedene Funktionen zur Verfügung:

  • Erste-Hilfe-Assistent: Befindet sich der Anwender in einer Notfallsituation, steht ihm der interaktive Assistent mit Audio- und Textanweisungen (inklusive Bilder) zur Seite. Durch gezielte Ja-/Nein-Fragen wird der Nutzer durch die aktuelle Situation geführt und erfährt so, was beispielsweise bei Verbrennungen, Vergiftungen oder einem Herzinfarkt zu tun ist.
  • Notruf-Assistent: Dieser hilft beim Absetzen eines Notrufs, unter anderem mittels Standort-Bestimmung.
  • Kleiner Lebensretter: In diesem Bereich erhalten Anwender hilfreiche Informationen rund um Erste-Hilfe-Themen wie Knochenbruch, Sonnenstich oder stabile Seitenlage.
  • DRK-Infodienst: Hier finden sich Neuigkeiten des Deutschen Roten Kreuzes, nahegelegene Blutspende-Termine sowie Informationen zu Erste-Hilfe-Kursen.

Derzeit ist die App lediglich in einer kostenpflichtigen Version erhältlich.

MySugr Homescreen - ©-2019-mySugr-GmbH -

MySugr – digitales Diabetes-Tagebuch

Für Menschen mit Diabetes bietet die App MySugr ein digitales Tagebuch. Wird das Blutzuckermessgerät mit der App synchronisiert, erfolgt die Übermittlung der Daten eigenständig.

Weitere Funktionen sind beispielsweise:

  • Die App bietet die Möglichkeit, sich die Daten der letzten 7, 30 oder 90 Tage auf einen Blick anzeigen zu lassen.
  • Auf Grundlage der eingetragenen Daten schätzt MySugr den HbA1c-Wert.
  • Mithilfe des Analyse-Screens können Diabetiker erfassen, ob eine Änderung der Therapie nötig ist.
  • Die Auswertungen stehen den Nutzern zum Download bereit, können aber auch direkt per App versendet werden.

In der kostenpflichten Version erhalten Anwender noch weitere Funktionen: Beispielsweise erhält der Nutzer eine Erinnerung, wenn er nachlässig beim Eintragen seiner Daten wird.


Psychologische Begleitung mit Selfapy

Die Anwendung Selfapy richtet sich an Patienten, die an psychischen Erkrankungen, chronischen Schmerzen oder unter Stress leiden. Ihnen stehen fünf verschiedene Kurse zur Verfügung:

  • Depression: Anwender sollen mithilfe interaktiver Übungen lernen, die negativen Gedanken zu stoppen.
  • Angst und Panik: In diesem Kurs erhalten Betroffene Unterstützung, um mit Panikattacken, Phobien und Sorgen besser umzugehen beziehungsweisen diesen vorzubeugen.
  • Stress und Achtsamkeit: Ziel dieses Programms ist es, auslösende Stressfaktoren zu erkennen und zu umgehen. Zudem erhalten Anwender Informationen darüber, wie sich der Alltag achtsamer gestalten lässt.
  • Essstörung: Wer an der Binge-Eating-Störung oder Bulimie leidet, erhält in diesem Kurs Unterstützung. Der Fokus liegt auf dem Verständnis der Essstörung und der Normalisierung des eigenen Verhaltens.
  • Chronischer Schmerz: Dieses Programm soll Patienten dabei helfen, die Symptome zu reduzieren und das eigene Wohlbefinden zu verbessern.

Zu Beginn können sich Anwender kostenlos von einem qualifizierten Psychologen – per Telefon oder Chat – beraten lassen, welches Programm das passende ist. Je nach getroffener Auswahl (und dem Kauf der kostenpflichtigen Version), erhalten Anwender dann wöchentlich Informationen, interaktive Übungen und Videos. Während dieser Zeit steht Patienten ein persönlicher Ansprechpartner zur Seite. Darüber hinaus wird der Erfolg in Form von Auswertungen und individuellem Feedback festgehalten.


BetterDoc: Auf der Suche nach dem richtigen Facharzt

Die Gesundheits-App BetterDoc unterstützt Patienten bei der Suche nach dem richtigen Facharzt. In der kostenlosen Version erfolgt eine erste Einschätzung der vorliegenden Symptome beziehungsweise einer bereits gestellten Diagnose. Möchten Anwender die Spezialistensuche in Anspruch nehmen, ist jedoch die Bezahlversion notwendig.

Der Arztsuche liegen fünf Qualitätskriterien zugrunde:

  • Reputation unter Medizinern
  • bewiesener Behandlungserfolg
  • Erfahrung
  • Qualifikation beziehungsweise Zertifizierung
  • Ausbildung

Nach spätestens zwei Tagen sollen Patienten einen Beratungstermin mit dem Arzt erhalten, der von BetterDoc empfohlen wurde.


Gesundheits-Apps (nicht nur) für Herzpatienten

Mit der digitalen Anwendung Cardiolyse soll das Risiko für Herzinfarkte und andere Herzerkrankungen verringert werden.

Im ersten Schritt verschreibt der Arzt dem Patienten die kardiale Fernüberwachung mit einem entsprechenden Gerät. Im Anschluss wird eine neue Patientenakte angelegt, auf die der Arzt online zugreifen kann. Nach Installation der App erhält der Patient unter anderem Informationen über sein Risiko für beispielsweise Vorhofflimmern, Herzinfarkt oder Ischämie. Darüber hinaus werden ihm Ausdauer- und Myokardwerte, das Stresslevel und das biologische Alter seines Herzens bereitgestellt. Auch dem Arzt werden die Daten zugespielt; er erhält zudem eine Benachrichtigung, falls ein kritischer Wert ermittelt wurde.


Welltory misst Stress- und Energielevel

Im Zentrum der Gesundheits-App Welltory (nur in Englisch verfügbar) steht das Messen des Stress- und Energielevels. Alles was hierfür benötigt wird, ist die Kamera des Smartphones. Hierüber wird die Herzfrequenzvariabilität – auch HRV – (Fähigkeit, die Frequenz des Herzrhythmus zu verändern) bewertet. Diese variiert je nach Gesundheitszustand: So spricht eine höhere Frequenz beispielsweise dafür, dass der Körper besser mit den Stressfaktoren des Alltags zurechtkommt.

Der Vorteil der App liegt laut der Welltory-Webseite in den Details der HRV-Messung sowie den Erklärungen, was diese Werte für den Anwender bedeuten. Unter anderem gibt die App in folgende Bereiche Einblick:

  • Herz: Die App Welltory soll anzeigen, wie gut das Herz arbeitet und gibt unter anderem einen Hinweis, wenn es sinnvoll ist, einen Arzt aufzusuchen.
  • Nervensystem: Hier erfahren Anwender, wie es mit ihrer Müdigkeit steht und ob ein guter Zeitpunkt für eine Erholungsphase ist.
  • Schlaf: In diesem Sektor werden Parameter aufgeführt, die sich darauf beziehen, wie viel man in der Nacht zuvor geschlafen hat.
  • Dein Tag: Anwender erhalten unter anderem Einblick in ihr „Power-Level“ und das aktuelle mentale Stress-Level.

Für die App-Nutzer dürfte aber vor allem die Zusammenfassung interessant sein. Hier wird beispielsweise aufgelistet, ob Parameter „aus dem Rahmen fallen“. Außerdem erhält der Nutzer Erklärungen dazu, welche Schritte man als nächstes durchführen sollte. Welltory stellt darüber hinaus noch Video-Lektionen über die Funktionsweise von Körper und Gehirn zur Verfügung und bietet die Möglichkeit, über 50 weitere Apps zu integrieren.

Die Grundversion der Gesundheits-App – die HRV-Messung – gibt es kostenlos. In der erweiterten, kostenpflichtigen Anwendung stehen Nutzern mehr Analysetools zur Verfügung, beispielsweise können Daten über den Schlafrhythmus eingegeben werden.


Bluttests auswerten mit Medicus AI

Die Basis für die Anwendung bildet Künstliche Intelligenz, die Bluttests sowie medizinische Berichte erklärt und auswertet. Ziel der Medicus AI-App (auch in Deutsch verfügbar) ist es, persönliche Gesundheitstipps zu liefern, umsetzbare Empfehlungen auszusprechen und den Lebensstil zu coachen.

Mithilfe der App sollen sich unter anderem folgende Bereiche abdecken lassen

  • biometrische Daten
  • Gesundheitsprofil
  • familiäre Krankheitsgeschichte
  • Medikamente
  • Bluttests
  • Urin- und Stuhlmarker

So soll Nutzern nicht nur die Möglichkeit gegeben werden, Gesundheitswerte zu verstehen, die App will sie auch auf dem Weg zu einem gesunden Leben begleiten. Dahingehend empfiehlt Medical AI beispielsweise Vorsorgeuntersuchungen, warnt, wenn gesundheitliche Risiken bestehen und gibt Tipps für Gesundheit und Lebensstil.


Wie soll man die richtige Gesundheits-App finden?

Eine Frage, die sich im digitalen Gesundheits-App-Dschungel gar nicht so leicht beantworten lässt. Um der Lösung näher zu kommen, können Sicherheits- und Qualitätskriterien helfen. Bevor sich Nutzer eine App herunterladen, sollten sie sich beispielsweise folgende Fragen stellen:

  • Welche Funktion soll die Gesundheits-App erfüllen? Stimmen versprochene Funktionen mit den tatsächlichen überein?
  • Wer ist der Hersteller? Steht ein Pharmakonzern, ein Mediziner oder eine Krankenkasse dahinter?
  • Auf welche Funktionen Ihres Smartphones möchte die App Zugriff erhalten? Sind die Zugriffsberechtigungen für die Nutzung der Anwendung tatsächlich notwendig?
  • Wie erfolgt die Finanzierung der App? Wird Werbung eingespielt? Gibt es Sponsoren?
  • Wie steht es um den Datenschutz? Gibt es einen Hinweis, dass die Daten an Dritte weitergegeben werden?
  • Wo werden die Daten gespeichert? Auf dem Smartphone oder bei einem externen Anbieter?

Da es derzeit noch keine einheitlichen Qualitätskriterien für Gesundheits-Apps gibt, müssen Anwender bei der Auswahl der App besonders achtsam sein.

1Bundesgesundheitsministerium: Ärzte sollen Apps verschreiben können. URL: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/digitale-versorgung-gesetz.html (29.01.2020).

Autor


Tanja Albert

Medizinredakteurin & Social Media Managerin